Sonntag, 21. Oktober 2012

Gastbeitrag von Heimo Presser, einem ausgewiesenen Experten des Fivefingers. (Teil II)


In der Folge probierte ich mit den verschiedenen Fivefingers-Modellen auch alles an Untergründen aus, was Spaß machte: Wald, Matsch, Schotter, Asphalt, Steine – ich ließ nichts, aber auch gar nichts aus. Endlich brauchte ich zur Blasen-Prävention keine ungeliebten „Laufsocken“ mehr in dicken Schuhen, die mir ja sowieso nur heiße Füße mit eingeklemmten Zehen bescherten. Ich liebte dieses Gefühl der Freiheit, und das tue ich auch heute noch. Je mehr ich in den Fivefingers (oder auch überhaupt barfuß) lief, umso feiner wurde meine Sensorik, und ich konnte regelrecht spüren, wie dicke Laufschuhe die Aufprallenergie schlucken. Energie, die beim Pseudo-Barfußlaufen deutlich spürbar  in Vortrieb umgewandelt werden kann (heute sprechen die Fachleute vom „energy return“).

Freilich werden Menschen, die die Fivefingers tragen, auch heute noch argwöhnisch betrachtet, ja manchmal dienen die Treter sogar der allgemeinen Belustigung. Nach dem Studium von ein paar hundert Seiten einschlägiger Fachlektüre bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass – wie man es auch dreht und wendet – unsere Spezies als Lauftier mit zwei unbekleideten Füßen auf die Welt gekommen ist. Füße, die der menschlichen Fortbewegung dienen, und zwar ohne irgendwelche besonderen Hilfsmittel. So planiert, asphaltiert und betoniert unsere heutige Welt auch ist, so weit sich der Mensch heute auch von der Natur entfernt hat: Mit den Fivefingers gewinnt man ein Stückchen Ge(h)fühl zurück. 

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